Uns fehlen keine Talente, wir erkennen sie oft nur nicht!

22. Sep. 2026

Unternehmen suchen Fachkräfte, junge Menschen die passende, oft auch Sinn stiftende, Aufgabe. Die in Einklang zu bringen, ist einer der großen Herausforderungen unserer Zeit.

Es ist eine merkwürdige Gleichzeitigkeit. Auf der einen Seite müssen Unternehmen Aufträge ablehnen, Projekte verschieben oder vorhandene Mitarbeiter stärker belasten, um notwendige Aufgaben zu erledigen. Trotz umfangreicher suche lassen sich vermeintlich keine Fachkräfte finden, die bereit sich Verantwortung zu übernehmen und die Herausforderungen des Alltags professionell zu managen. Auf der anderen Seite stehen junge, talentierte Menschen mit Idealen, die sich in den Zeiten des Wandels und den vielfältigen Möglichkeiten, schwertun, ihre Erwartungshaltung und Wünsche in eine berufliche Entscheidung zu transformieren.. Gerade auch, wenn über allem die bange Frage schwebt, ob es die Tätigkeit zukünftig noch geben wird.

Die Lösung des Fachkräfteproblems scheint zunächst einfach. Hier die Unternehmen, die Menschen brauchen. Dort die jungen Menschen, die gebraucht werden möchten. Und doch reden sie oft aneinander vorbei.

Unternehmen formulieren Stellenprofile, Jugendliche suchen Orientierung. Die einen fragen nach Qualifikationen, die anderen nach Sinn. Unternehmen möchten wissen, was jemand bereits geleistet hat. Junge Menschen versuchen herauszufinden, was einmal aus ihnen werden könnte.

Zwischen diesen Fragen liegt etwas, das in Zeugnissen nur selten sichtbar wird und sich auch aus einem Lebenslauf nicht ohne Weiteres herauslesen lässt: das Potenzial eines Menschen.

Wenn aus einer Begabung eine Berufung werden soll

Das Wort „Berufung“ klingt groß. Vielleicht zu groß für jemanden, der gerade erst die Schule beendet und noch gar nicht wissen kann, wie sich ein Berufsalltag tatsächlich anfühlt. Dennoch beschreibt es eine berechtigte Sehnsucht: nicht irgendeine Arbeit zu finden, sondern eine Aufgabe, in der die eigenen Fähigkeiten gebraucht werden und das eigene Wesen nicht fortwährend im Weg steht.

Denn Menschen unterscheiden sich nicht nur in dem, was sie gelernt haben. Sie unterscheiden sich darin, was ihnen leichtfällt, was sie antreibt und wodurch sie sich einer Aufgabe wirklich verbunden fühlen. Der eine gewinnt Energie aus dem sichtbaren Ergebnis und möchte gestalten, entscheiden und vorankommen. Eine andere will Zusammenhänge verstehen, gründlich denken und zu einer wirklich belastbaren Lösung gelangen. Wieder ein anderer besitzt ein feines Gespür für Menschen, schafft Vertrauen und erkennt Spannungen, lange bevor sie offen ausgesprochen werden.

Keine dieser Fähigkeiten ist grundsätzlich wertvoller als die andere. Ihr Wert entscheidet sich erst in der richtigen Aufgabe und im passenden Umfeld.

Genau darin liegt die Schwierigkeit der Berufsorientierung. Junge Menschen müssen nicht nur herausfinden, was sie interessiert. Sie müssen verstehen, auf welche Weise sie wirksam sein können. Ein Interesse kann vergehen. Ein Beruf kann sich verändern. Die grundlegende Art jedoch, wie ein Mensch denkt, wahrnimmt, entscheidet und sich motiviert, erweist sich häufig als sehr viel beständiger.

Vielleicht sollten wir deshalb nicht zuerst fragen: „Was möchtest du werden?“ Die klügere Frage wäre: „Was ist in dir angelegt und wie kann daraus etwas entstehen?“

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