Die Neuropsychologie der Distanz

30. Okt. 2023

Virtuelle Führung: Die Neuropsychologie der Distanz

Führung auf Distanz ist eine Herausforderung – nicht nur organisatorisch, sondern auch psychologisch. Während persönliche Interaktionen ganz natürlich Bindung und Vertrauen aufbauen, fehlen in der virtuellen Zusammenarbeit viele dieser subtilen Signale. Führungskräfte müssen deshalb gezielt Strategien einsetzen, um Zusammenhalt, Motivation und emotionale Resonanz zu stärken.

Dr. Eva Brandt hat hierzu einen Artikel für das Printmagazin managerSeminare verfasst. Darin erklärt sie aus neuropsychologischer Perspektive, warum virtuelle Führung anders funktioniert als persönliche Begegnungen – und welche biochemischen Prozesse im Gehirn dabei eine Rolle spielen.

Ein zentraler Aspekt ist das Hormon Oxytocin, das oft als „Bindungshormon“ bezeichnet wird. In einem physischen Arbeitsumfeld wird es durch kleine Gesten wie einen Händedruck, Blickkontakt oder ein freundliches Schulterklopfen aktiviert. Diese Momente der zwischenmenschlichen Nähe fehlen in virtuellen Meetings – mit der Folge, dass der Aufbau von Vertrauen erschwert wird. Die Herausforderung für Remote-Führungskräfte besteht darin, alternative Wege zu finden, um dieses Gefühl der Verbundenheit zu erzeugen.

Ein weiteres wichtiges Element ist Dopamin, das als Motivationshormon fungiert. Im Büroalltag wird es oft durch den sozialen Vergleich und das gemeinsame Arbeiten im selben Raum angeregt. Virtuelle Teams hingegen haben weniger direkte Anreize, sich selbst zu motivieren. Hier sind kurzfristig erreichbare Ziele und regelmäßiges, persönliches Feedback entscheidend, um das Dopaminsystem positiv zu beeinflussen und die Produktivität hochzuhalten.

Führungskräfte, die virtuelle Teams erfolgreich leiten möchten, sollten sich also nicht nur auf technische Lösungen und organisatorische Strukturen konzentrieren. Sie müssen gezielt emotionale Signale setzen, um ein starkes Teamgefühl zu erzeugen. Dazu gehören bewusste Momente der Wertschätzung, aktives Zuhören und eine Kommunikationskultur, die es Mitarbeitenden erleichtert, sich offen zu äußern.

Mehr dazu im Originalartikel von Dr. Eva Brandt im Magazin managerSeminare:

Die Autorin

Dr. Eva Brandt

Seit 1999 selbstständige Unternehmerin in Wiesbaden, führt Seminare bei national und international operierenden Firmen durch, coacht vom Mitarbeiter bis zum Vorstand. Sie erhielt von der ZfU (Schweiz) in 2005 den Teaching Award in Gold.